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Otto Abt, Pfalz, 1966
Öl auf Leinwand, 76 x 96 cm
Aargauer Kunsthaus / Ankauf, 1966

Otto Abt (1903 – 1982) wächst in Basel auf. Sein Medizinstudium bricht er frühzeitig ab und entscheidet sich für den um 1924 mit dem Besuch der Gewerbeschule Basel parallel eingeschlagenen Weg als Künstler. Im Studium lernt er Walter Kurt Wiemken (1907 – 1940) und Walter Bodmer (1903 – 1973) kennen, mit denen ihn eine langjährige Freundschaft verbindet. 1927 bezieht er sein erstes Atelier in Basel und reist mit Wiemken und Bodmer erstmals nach Paris. Es folgen zahlreiche Reisen nach Italien, Jugoslawien, Deutschland und Spanien. Als besonders prägend erweisen sich für die Künstlerfreunde die Sommeraufenthalte im südfranzösischen Collioure, wo sie den in Paris lebenden Tessiner Künstler Serge Brignoni kennenlernen. Durch diesen erhalten sie Zugang zum Surrealismus. 1933 gründen sie mit weiteren Kunstschaffenden die politisch engagierte Künstlervereinigung Gruppe 33, die sich dezidiert gegen den Faschismus und die kulturelle Enge in der Schweiz der 1930er-Jahre ausspricht. Künstlerisch greifen sie zu avantgardistischen Ausdrucksformen, die bewusst mit akademischen Traditionen brechen.

Ähnlich wie Wiemken ist auch Abt einer surrealen Bildsprache zugeneigt, die ihm u.a. die Möglichkeit bietet, seine Abscheu gegenüber der sich anbahnenden Kriegsgeschehnisse auszudrücken. Abt schafft bühnenartige Szenerien, in denen – beeinflusst von der Tradition der Basler Fasnacht – Themen der Tarnung und (De-)Maskierung anklingen. Neben diesen Kompositionen, in denen sich Interieurs und karge Landschaften verzahnen, schafft er zahlreiche Atelier-Szenen. Möbel und Objekte verorten sich im Raum – meist in leuchtenden Farben gehalten und von einfachen, schwarzen Linien umrissen. Oft öffnet sich der Blick vom Innenraum nach draussen – wie in der vorliegenden Atelieransicht durch das Balkonfenster auf die andere Rheinseite und damit auf das Basler Münster und die Pfalz.

Julia Schallberger, 2025

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