Öl und Leimfarbe auf Leinwand, 83 x 96.5 cm
Das Aargauer Kunsthaus besitzt mehrere Werke des deutschen Expressionisten Erich Heckel (1883 – 1970). Diese gelangten im Zuge der grosszügigen Schenkung des Aarauer Sammlerehepaars Valerie und Othmar Häuptli 1983 in die Sammlung. Neben Holzschnitten und Aquarellen versammelt das Konvolut ausdrucksstarke Gemälde, wie etwa das vorliegende Werk „Märkische Landschaft (Gärten in der Mark)“ (1912 – 1913).
Heckel zählt 1905 neben Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bley und Karl Schmidt-Rottluff zu den Gründungsmitgliedern der expressionistischen Gruppierung „Brücke“. Deren Werke verfügen vorwiegend über eine dynamische Strichführung und leuchtende Farbflächen und geben die subjektiven Empfindungen ihrer Schöpfer wieder. Die Lebensumstände zu Zeiten der Industrialisierung und der stetige soziale Wandel lassen die Brücke-Künstler nach alternativen Daseinsformen suchen. Sie finden diese in der Harmonie mit der Natur oder in der Beschäftigung mit fremden Kulturen. Viele ihrer Werke verbildlichen die Sehnsucht nach einer «Rückkehr ins Paradies» (dies war 2017 der Titel einer expressionistischen Gruppenausstellung im Aargauer Kunsthaus).
Die Landschaft ist ein wichtiges Motiv der expressionistischen Malerei. Während sich bei Protagonisten wie Karl Schmidt-Rottluff oder Ernst Ludwig Kirchner die Farbgebung stark von der Wirklichkeit unterscheidet und sich stattdessen in empfundenen, kontrastreichen Komplementärfarben manifestiert, sucht man diesen «Farbenrausch» in den Landschaften von Erich Heckel vergeblich. Dennoch zeugen Heckels Bilder von Spannung – hervorgerufen durch eine grosse Dynamik des Bildaufbaus. So lässt diese so einiges über die innere Verfassung des Künstlers sagen. Das Gemälde „Märkische Landschaft“ gehört zu den Landschaftsbildern, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden. Im Vordergrund sehen wir – hell beleuchtet – eine sorgsam bestellte Ackerlandschaft. Im Hintergrund naht ein dunkler Himmel. Die Landschaft gibt eine funktionierende, organische Einheit von Mensch und Natur wider – ein Bild, an dem sich verschiedene Kunstschaffende in dieser Zeit festhalten – droht dieses Ideal doch allmählich von einer sorgenvollen Ungewissheit überschattet zu werden.
Aargauer Kunsthaus, 2025