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Emmanuelle Antille, Angels Camp - First Songs, 2003/2004
4-Kanal-Videoinstallation, Farbe, Ton,
Aargauer Kunsthaus / Dauerleihgabe der Walter A. Bechtler-Stiftung

Emmanuelle Antille (*1972) ist eine Schweizer Regisseurin und Videokünstlerin. Ihre Videos und Installationen bewegen sich zwischen Realität und Fiktion. Im Zentrum stehen zwischenmenschliche Beziehungen, sprich familiäre Dynamiken, Rituale, Machtverhältnisse und bestimmte Verhaltenscodes zwischen Individuen und sozialen Gruppen. Alltägliche Szenerien und Figuren bilden das Ausgangsmaterial. Dieses entwickelt Antille aus ihrer persönlichen Erfahrungs-, Gefühls- und Gedankenwelt heraus und versucht davon ausgehend – wie sie selbst sagt – „universell zu werden“. Dafür überführt sie die Alltäglichkeiten zuweilen ins surreal Absurde oder Traumhafte und erschafft damit symbolkräftige Bilder. Viele ihrer Arbeiten sind als mehrteilige Installationen konzipiert. So auch der Werkkomplex „Angels Camp – First Songs“, der aus einem Spielfilm, vier Videos, Fotografien, Texten und einer Roman besteht und der 2003 in seiner Gesamtheit im Schweizer Pavillon an der Biennale in Venedig präsentiert wurde.

Die Installation im Aargauer Kunsthaus besteht aus vier Videoprojektionen und einem Leuchtkasten. Inhalt der zeitgleich gezeigten Sequenzen ist eine fiktionale Geschichte. Diese handelt von einer Gruppe Menschen, die sich zurückgezogen hat, um fern gesellschaftlicher Normen in naturverbundener Abgeschiedenheit ein Leben nach eigenen Regeln aufzubauen. Die neu gefundene Lebensform und Gemeinschaft zeugt zunächst von unschuldiger Freiheit und Magie. Im Verlauf beginnt die vermeintliche Idylle jedoch zu bröckeln. Gewalttätige und befremdliche Verhaltensweisen halten Einzug.

Gedreht wurde in der ländlichen Freiburger Gegend der Broye und nicht – wie der Titel vielleicht vermuten liesse – in der kalifornischen Goldgräberstadt namens“Angels Camp“. Neben professionellen Schauspieler:innen hat die Künstlerin vor allem mit Freundinnen und Familienmitgliedern zusammengearbeitet: „Wir haben in einem Naturschutzpark gedreht, haben am Strand geschlafen – es war eine Art Leben im Kollektiv, Kunst und Leben waren ganz eng miteinander verbunden,“ sagt die Künstlerin. Sie selbst tritt im Video als Sängerin auf. Begleitet wird der Film des Weiteren durch die Musik der Band Honey For Petzi. Wie zu Zeiten des Stummfilms reagierten die Musiker an den Eröffnungstagen der Biennale mit ihren Instrumenten spontan auf die gespielten Videoszenen.

Umgeben von den Leinwänden im Raum wird man als Besuchende Teil der Installation und vermag gänzlich in die Handlung einzutauchen.

Julia Schallberger, 2026

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