1-Kanal-Video, Farbe, Ton, 03' 44''
Judith Albert (*1969), die sich während ihres Studiums mit Skulptur, Zeichnung und Schrift beschäftigt, entdeckt 1994 das Medium Video. Vom ersten Augenblick an ist sie von der Videokamera begeistert und beginnt autodidaktisch damit zu experimentieren. Sie mischt Zufälliges mit sorgfältig Arrangiertem, Fiktion mit Dokumentation und verdichtet alltägliche Momentaufnahmen zu poetischen Sinnbildern.
Von Experimentierfreude gezeichnet ist auch die Videoarbeit «mare mosso» (2015). Als Betrachtende blicken wir auf ein Meeresufer. Der rhythmische Wellenschlag wird von leisem Rauschen begleitet. Unterbrochen wir die Gleichförmigkeit erst durch das Zerreissen der Bildoberfläche. Die Hand der Künstlerin rückt ins Bild und beginnt das bewegte Bild – wie die Seiten eines Buches – nach und nach zu zerreissen. Es folgen immer neue Seiten, auf denen sich das Bild von Neuem auftut. Die Risse folgen der Uferlinie. Schliesslich kommt von rechts eine Frauen-Silhouette ins Bild und balanciert vorsichtig wie über einen Grat dem Ufer entlang.
Um diese Illusion zu erwirken, macht die Künstlerin eine Videoaufnahme , die sie danach ein zweites Mal abfilmt. Sprich, das Video der Meeresstimmung mit der Frauenfigur projiziert sie auf Papier, das sie während des Abspielens zerreisst. Diesen Akt filmt sie wiederum, was schliesslich das Werk bildet.
Nebst dem Einreissen des Papiers, kommt es zu einer Wölbung des Papiers, was dem zweidimensionalen Videobild eine dritte Dimension verleiht. Es scheint, als würde die Gehende kleinere Hügel überwinden.
Der Film mag wie ein Sinnbild für das Leben erscheinen – wie eine Gratwanderung zwischen Licht und Schatten, bewegtem und festem Untergrund.
Aargauer Kunsthaus, 2026