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Ishita Chakraborty, O Bastante I, 2025
Diverse Masse
Aargauer Kunsthaus / Ankauf, 2025

2024 verbringt Ishita Chakraborty (*1989) eine dreimonatige Residenz im brasilianischen Amazonasgebiet. Dort erlebt sie, wie indigene Gemeinschaften ums Überleben kämpfen und Widerstand leisten. Sie verteidigen ihr Land gegen internationale Konzerne, die Bergbau, illegale Abholzung oder intensive Landwirtschaft betreiben. Im Mittelpunkt des raumgreifenden Wandgemäldes «O Bastante!» (2025, portugiesisch: Genug ist genug!) stehen die Ausbeutung und Zerstörung unberührter Ökosysteme, eng verknüpft mit wirtschaftlichen Interessen und postkolonialen Machtstrukturen.

Grundlage der Installation sind unterschiedliche Bildtypen: botanische Illustrationen, kitschige Tropentapeten, Archivmaterial von Plantagen sowie Fotografien aus Chakrabortys Aufenthalt im Amazonasgebiet. Botanische Darstellungen von Geranien, Palmen oder Edelweissblumen verbindet die Künstlerin mit Gedichten, gezeichneten Linien und schwarzen Flächen, die sinnbildlich für territoriale Grenzen beziehungsweise ausgehobene Erde stehen. Utopische Bildwelten, romantisierte Tropenlandschaften und Realität prallen dabei aufeinander.

Die Künstlerin und Dichterin Ishita Chakraborty wurde nahe Kolkata (IN) geboren und wuchs in Nordindien in der Nähe des Himalayas auf. Nach einem Studium in Fine Arts & Graphic Design an der Rabindra Bharati University in Kolkata absolvierte sie 2021 einen zweiten Master in Bildender Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Ihr Leben in der Schweiz begann 2017 mit einem Aufenthalt im Rahmen des «Artist in Residence»-Programms des Gästeateliers Krone in Aarau. Seit 2018 lebt und arbeitet sie im Aargau.

Aus einer ökofeministischen Perspektive denkt Chakraborty ökologische und gesellschaftspolitische Fragen zusammen. Sie setzt sich mit Migration, kolonialen Verstrickungen, Marginalisierungsprozessen und dem Klimawandel auseinander. In ihren medienübergreifenden Werken – von Installationen und Wandmalereien bis zu Soundarbeiten und Poesie – finden diese Themen einen ebenso kritischen wie poetischen Ausdruck. Ein zentrales Element ihres Schaffens ist der partizipative Ansatz: Die Künstlerin bringt Geflüchtete, Migrant:innen und Einheimische zusammen, um gemeinsam zu arbeiten und Geschichten zu teilen. «Ich möchte einen Raum für all jene Stimmen schaffen, die sonst nicht gehört werden», erklärt Chakraborty. Ihre Werke sind von Vielstimmigkeit getragen.

Im Aargauer Kunsthaus ist Chakraborty seit ihrer Beteiligung an der «Auswahl» 2021 in mehreren Ausstellungen vertreten. Das Werk O Bastante! entstand als Neuproduktion für ihre Einzelausstellung anlässlich des «Manor Kunstpreises» 2024 und wurde in kondensierter Form für die Sammlung angekauft.

Anouchka Panchard, 2026

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