Hochpigmentierte Leimfarbe auf Baumwolle, 190 x 210 cm
1953 in Singen geboren, lebt und arbeitet Markus Weggenmann heute in Zürich und Lumnezia, Graubünden. Als Autodidakt und selbsterklärter „Quereinsteiger“ findet er vergleichsweise spät zur Kunst. Bis er sich 1989 ausschliesslich der Tätigkeit als Künstler verschreibt, arbeitet er parallel in therapeutischen Berufen. Von Anfang an interessiert er sich für das Ausdrucksmittel der Malerei, sprich die Erscheinung und Wirkung von Farbe.
International bekannt wird er in den 1990er-Jahren mit seinen vibrierenden Streifenbildern, die oftmals einen wirkungsvollen Dialog mit ihren Präsentationsorten eingehen. Vom Aquarell bis zum grossformatigen Gemälde prägt das Streifenmotiv während rund eines Jahrzehnts Weggenmanns Handschrift. Um 1997 – im Rahmen der Ausstellung „Malerei (streifenfrei)“ in der Zürcher Galerie Mark Müller – wird ein Wandel im Umgang mit Linie und Fläche sichtbar. Die Streifen werden von organisch amorphen und scherenschnittartigen Formen abgelöst. Diese bestehen aber weiterhin aus monochrom gehaltenen Farbflächen, die zuweilen an gegenständliche Schemen von Blumen, Landschaftsfragmente o.ä. erinnern. Leuchtkräftig und prägnant strahlen sie in den Raum aus. Der Künstler selbst fordert: »Eine Arbeit, wie ich sie mir vorstelle, muss Platz schaffen zum Atmen.«
In dieser Zeit entstehen kleinformatige Entwürfe, die der Künstler selbst digital bearbeitet, um sie anschliessend als grossformatige Lackbilder – zuweilen auch auf Aluminium – industriell umsetzen zu lassen. Diese maschinell finalisierten Werke verfügen über eine spiegelglatt glänzende, wasserfeste Oberfläche.
Im Gegensatz dazu greift der Künstler in den 2010er-Jahren – wie in den Anfängen seiner Arbeit – wieder auf Leimfarben zurück. Hierfür rührt er viel Pigment mit wenig Leim als Bindemittel an und trägt die Farbe wieder von Hand auf. Die Farbe ist dadurch leuchtend, doch weniger glänzend. Die Textur empfindlicher, feinporiger und dadurch körperhafter. Dies lässt sich auch für die beiden Gemälde „Ohne Titel, LW512“ (2024) und „Ohne Titel, LW563“ (2025), die das Aargauer Kunsthaus 2025 ankauft, sagen. Kompositionell vermögen die eigentlich flächigen abstrakten Bildelemente Tiefe zu erzeugen und vermägen einerseits an eine von Wegen oder Flüssen durchzogene Berglandschaften erinnern und andererseits an einen Querschnitt durch eine sonnig-erdige Ebene.
Aargauer Kunsthaus, 2026