In der Sammlung des Aargauer Kunsthauses befinden sich Werke der drei Künstlerbrüder der Familie Gubler. Eduard Gubler (1891–1971), der älteste Bruder, wird in Zürich geboren und entwickelt neben seiner Tätigkeit als Zeichenlehrer an Zürcher Sekundarschulen ein umfangreiches graphisches und malerisches Œuvre. Das Gemälde «Bauernfamilie in der Stube» entsteht 1925, in einer Zeit, in der Gublers Kunst besonders grosse öffentliche Aufmerksamkeit erfährt. Im selben Jahr findet die Ausstellung «Ed. Gubler, M. Sigg, A. Soldenhoff, C. Thomann, H. Widmer. Plastik von E. Gubler, A. Soldendorff, A. Suter» im Kunstmuseum Winterthur statt. Es handelt sich dabei um eine umfassende Überblicksausstellung der zeitgenössischen Malerei und Plastik mit zahlreichen Werken von Gubler.
Das vorliegende Bild zeigt eine Bauernfamilie dicht gedrängt in der einfachen Stube. Das Zentrum bildet der rauchende Vater, der mit überschlagenen Beinen am Küchentisch sitzt. Im Dreiviertelprofil blickt er unmittelbar aus dem Bildraum heraus. Ernst mustert er uns als aussenstehende Betrachtende, die nicht Teil seiner engen Bildwelt sind. Zwischen Tür und Angel steht die Mutter mit einer Schüssel in den Händen. Die Tür ist nur leicht geöffnet und verdeckt teilweise die überdimensionierte Gestalt der Frau. Auf der grün getäfelten Ofenbank schlummert ein Knabe. Sanft umfängt er eine graue Katze. Welche Assoziationen und Stimmungen vermag das Gemälde wach zu rufen? Die Komposition «Bauerfamilie in der Stube» (1925) mag sowohl als ein gemütliches Beisammensein wahrgenommen werden, wie auch ein klaustrophobisches Gefühl auslösen. Sämtliche Bildfiguren erscheinen zu gross für ihre enge Behausung und blicken gedankenverloren aneinander vorbei. Zugleich herrscht in der Bauernstube eine angenehme Wärme. Die reiche Palette warmer, gedeckter Farben unterstreicht die gemütliche Atmosphäre. Die sinnliche Farbigkeit und die Plastizität der Bildkörper stehen in Kontrast zu früheren Schaffensphasen des Künstlers. Mitte der 1920er-Jahre wendet sich Gubler von den schmerzverzerrten, ausgemergelten Bildfiguren und den düsteren Farbtönen seiner expressionistischen Schaffensperiode ab. Die Bildräume gleichen vermehrt geschlossenen Kammern, die die Leinwand nahezu vollständig ausfüllen und nur kleine Ausblicke nach aussen gewähren.
Die «Bauerfamilie in der Stube» (1925) gehört zu einer Gruppe von Gemälden, die Gubler um 1925 malt: In Ölbildern wie «Schlummernde» (1925) (Schweizerisches Landesmuseum), «Toilette» (1925) (Aargauer Kunsthaus) oder «Hochzeit» (1925/1926) (Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte) dient jeweils dieselbe hölzerne Bauernstube mit Kamin als Kulisse.
Nachdem sich Gubler ab 1939 weitestgehend aus dem Ausstellungsbetrieb zurückgezogen hat, wird sein Werk 1972 in der Ausstellung «Eduard Gubler» im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen erstmals seit längerer Zeit wieder einem grösseren Publikum präsentiert. Dort erwirbt der Kunstsammler Werner Coninx (1911–1980) «Bauernfamilie in Stube» (1925). 2016 gelangt das Gemälde als Dauerleihgabe aus der Sammlung Werner Coninx in die Sammlung des Aargauer Kunsthauses.
Franziska Fellner, 2026
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