Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualiseren Sie auf Edge, Chrome, Firefox.
X
Klaudia Schifferle, Artist, Suggel, 1981
Mixed Media, 270 x 300 cm
Aargauer Kunsthaus / Ankauf, 2025
Copyright: ProLitteris, Zürich

Klaudia Schifferle wurde 1955 in Zürich geboren und besuchte dort die F + F Schule für experimentelle Gestaltung. In den späten 1970er-Jahren trat sie als Musikerin, Autorin, Schauspielerin wie auch bildende Künstlerin an die Öffentlichkeit. Sie gehörte 1978 zu den Mitbegründerinnen der erfolgreichen Frauenband «Kleenex» (später «Liliput»). Anfang der 1980er-Jahre nahm sie an namhaften Gruppenausstellungen teil, woraufhin sie beschloss, sich ganz auf ihre Arbeit als Malerin, Zeichnerin und Bildhauerin zu konzentrieren. In dieser Zeit entstanden heftig gemalte, figurativ-expressive Bilder.

Das zweiteilige Werk «Suggel» stammt aus dieser Schaffensphase. Vier fratzenhaften Kreaturen schweben ohne Richtung und ohne Ziel auf der Bildfläche. Man erkennt auf jeder Bildseite jeweils ein schwarzes Gesicht mit roten Augen und gefletschten Zähnen, das von einer Art blauer Krake umfasst wird. Die Anordnung der Gestalten deutet auf eine Drehbewegung um eine Mitte hin: Auf der rechten Seite sind die Wesen aufrecht, während ihre Gegenspieler links durch die Rotation bereits Kopf stehen. Um die Protagonisten im Zentrum schwirren noch kleinere Würmer, Spiralen in dieser nicht definierbaren Ursuppe herum. Die surreale Komposition hat den Charakter einer Illustration: wie in einem Comic sind die Figuren einfach gestaltet und schnell lesbar: ovale Formen für den Kopf, lange Linien für den Mund, kurze Linien für die Zähne, Kreise für die Augen.

Das Vorgehen der Künstlerin scheint zunächst mühelos, ja kindlich. Die starke Expressivität der Gestalten, die Dynamik der Komposition, die grellen Farbkontraste bringen jedoch zusätzliche Dimensionen ins Bild. Nichts ist eindeutig: handelt es sich um eine spielerische oder eine bedrohliche Situation? Findet eine Umarmung oder ein Ringen zwischen den Wesen statt?

Die aufgerissenen Augen der Fratzen ziehen die Betrachtenden regelrecht in das Chaos des Bildes hinein. Unser Blick wird von den eindringlichen Augen eingefangen, dann über Arme der Krake in das Kreisen der Kreaturen hineingesogen.

Die Künstlerin selbst erzählte, dass sie ihren Werken einen Ausdruck für die Temperamente ihrer eigenen Lebensabschnitte zu verleihen versuchte. «Ab 1979 kamen die ersten Lack- und Gouache Malereien. […] Thema: als Mensch hier leben. Die Gefühle, Ausdruck finden für die Energien der aktuellen Zeit. Es gab grössere figürliche Phasen, dann eher wieder abstraktere. Wichtig war und ist mir immer die Auswahl des Materials für die Arbeitsphase, welches energetisch mit der aktuell wahrgenommenen Zeit korrespondiert.»

Ioana Jimborean, 2026

X