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Marianne Kuhn, o. T. Graphit auf Papier, 2008 - 2009
Graphit auf Papier, 57 x 77 cm
Aargauer Kunsthaus / Ankauf, 2025
Fotocredit: Ullmann Photography (Timo Ullmann)

Die Aarauer Künstlerin Marianne Kuhn (*1949) widmet sich jahrzehntelang fast ausschliesslich dem Werkstoff Grafit. Sie erforscht dessen vielfältige Eigenschaften einschliesslich seiner Verwendungsmöglichkeiten für Objekte. Ihr Interesse am Material führt sie auf Ausflüge ins Bergwerk, wo sie den reinen Kohlenstoff bezieht, den sie mit Bindemitteln wie Wasser oder Fett anreichert und als Farbe, als Zeichenmaterial oder zum Modellieren nutzt. Mit minimalen Mitteln entsteht so eine eindrückliche Formenvielfalt, bestehend aus gross- und kleinformatigen Arbeiten auf Papier sowie verschiedenförmigen Objekten aus geschichtetem oder gegossenem Grafit.

Bei der Betrachtung der Zeichnungen von Marianne Kuhn wird die langwierige und prozesshafte Arbeitsmethode der Künstlerin körperlich spürbar. Kuhn arbeitet kniend auf dem Boden. Unermüdlich schichtet sie den Grafit auf oft grossformatige Blätter. In unzähligen Strichen und Schichten entstehen feine Zeichnungen und abstrakte, reflektierende, dunkle Flächen und Formen.

Frühe Arbeiten aus den 80er-Jahren in der Sammlung des Aargauer Kunsthauses zeigen utopische Orte und Strukturen, die an Baugerüste oder andere temporäre Architekturen erinnern. Später entfalten sich auch Stadtarchitekturen aus der Vogelperspektive und reliefartige Annäherungen an Topografien. Sie sind weniger Abbild der Realität als Ausdruck einer persönlichen Wahrnehmung des Weltgeschehens. Die Werkgruppe bestehend aus „Aralsee“, „Ararat“ und „Ruanda“ (1994) beispielsweise verbildlicht die Auseinandersetzung der Künstlerin mit politischen und ökologischen Katastrophenorten, wie dem heute fast komplett ausgetrockneten Aralsee, sowie Eindrücken aus Reisen oder Ereignissen der Menschheitsgeschichte.

Auch 11 Blätter aus einer 14-teiligen Werkgruppe aus den Jahren 2008-2010 gehören zur Sammlung. Sie wurden im Rahmen der Ausstellung „Marianne Kuhn. Sammlung im Fokus“ (2025) angekauft. Wie fast alle Arbeiten Kuhns trägt die Werkgruppe keinen Titel, nähert sich jedoch – anders als ältere Werke – einer figürlichen Darstellung an. Die in feinen Strichen auslaufenden, grauschwarzen Formen auf weissem Papier erinnern an lustige Schattenspiele, hybride Pflanzen- und Tierwesen oder menschliche Gestalten. Ähnlich wie beim spielerischen Betrachten von Wolkenformationen am Himmel wecken die Bilder unterschiedliche Assoziationen, bleiben aber letztlich schemenhaft.

Renée Schwerzmann, 2026

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