Öl, Mineralfarben, Acryl und Sand auf Holz mit einem freien Element, 74.3 x 72.5 x 10 cm
Joseph Egan (*1952) ist in den USA geboren und lebt seit 1996 in der Schweiz. Als Kind beobachtete er, wie in seiner Heimatstadt Scranton (im Staat Pennsylvania) Veranden und Türen der Reihenhäuser jeden Frühling frisch gestrichen wurden. Diese Faszination für den Akt des Anstreichens fliesst in sein späteres künstlerisches Schaffen ein. Dabei interessiert ihn die Farbe sowohl in Bezug auf ihre reine Materialität (paint) wie auch als atmosphärische Erscheinung (colour).
Zu Beginn seines Œuvres schafft er Objekte aus einfachen Materialien wie Obstkisten, Balken und Türrahmen. Diese befreit er von ihrer ursprünglichen Funktion, indem er sie in Einzelteile zerlegte, neu zusammensetzet und frisch bemalt. Auch reiht er Holzlatten aneinander, die er mit einem Querbalken verstrebt. Letzterer fungiert als Regaltablar für bewegliche Objekte gegenständliche und abstrakte Elemente aus Holz. In einigen Arbeiten dürfen diese Variablen – je nach Umgebung ihrer Hängung – verschoben werden.
Diesem Muster gehorcht auch das Werk „Listen (Homage to Frédéric Chopin)“: Vor einer rot-blau bemalten Bretterwand ist ein dunkelbrauner Balken angebracht. Auf diesem lassen sich zwei Holzteile hin und her schieben. Um dieses Spiel dem Museumspublikum einsichtig zu machen, hat der Künstler das Vermittlungs- und Aufsichtspersonen zur freien Umplatzierung berechtigt. Am Ende einer „Vorführung“ – die nur mit Handschuhen vollzogen werden darf – sollen die Elemente in die vom Künstler bevorzugte Position zurückgebracht werden. Beim kleinsten Teilobjekte handelt es sich um das „Ohr von Chopin“. Dieses humorvolle Moment lässt sich vor dem Hintergrund des Titels besser verstehen: Der Künstler wurde während des Arbeitsprozesses durch das häufige Anhören von Chopins Musik zur besagten „Hommage“ inspiriert. Schliesslich erkannte er Ähnlichkeiten zwischen seiner kompositorischen Arbeit und einem Kammermusikstück, für das sich verschiedene Personen mit ihren Instrumenten zusammenfinden. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich „Listen“ wie ein Quartett aus vier unterschiedlich gefärbten und geformten Hauptelementen lesen.
Aargauer Kunsthaus, 2025